Leichenpredigt auf Joseph Levin Metzsch (1507-1571)








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zuhörer, bekenner und diener Christi, bereitet, das er
am end eines eingebundnen Buchs (Trostspiegel der
armen Sünder, aus den Schrifften Lutheri, etc.
M. Joannis Policarii genant etc.)hat dis sein bekentnis
und Confession des glaubens mit eigner hand geschrie-
ben, das ob er wol seine grosse Sünde erkenne und sehe,
wie denn alle Gottsfürchtige thun müssen, und David
sagt im 19. Psalm, HERR wer kan mercken, wie offt
er fele? So hat er doch bestendig geschlossen, das er ge-
wies hab verzeihung aller seiner Sünde, durch die
Barmhertzigkeit GOTTES in Christo zugesagt.


DIs sol sein letzter wil sein,Metzsch nutzte ein gedrucktes Werk von Johannes Policarius („Trostspiegel der armen Sünder“), um am Ende des Buches seine ganz persönliche Confession (Glaubensbekenntnis) handschriftlich einzutragen. Er bekennt seine Sünden unter Berufung auf Psalm 19: „Wer kann merken, wie oft er fehle?“, was dem Kern der lutherischen Demut entspricht. Trotz seiner Sünden hält er „beständig“ daran fest, dass ihm durch die Barmherzigkeit Gottes in Christus vergeben ist. Er erklärt diese handschriftliche Notiz ausdrücklich zu seinem „letzten Willen“. Sie soll vor Gott am Jüngsten Tag als Zeugnis dienen, selbst wenn sein Körper (Augen, Ohren, Zunge) im Tod versagt. und das sol im
Christus am jungsten tag ein zeug sein, Ob gleich die
Ohren nicht mehr hören, die augen nicht mehr sehen,
die zunge nicht mehr reden könne, als er denn mit solch-
em bestendigem Glauben sein end beschlossen.


ER hat auch fleissig zuvor, die schöne Enarration
des heiligen und theuren Mans Lutheri in den Gene-
sin, so er in ein Buch lustig hat lassen zusambinden in
seines lebens letzter zeit, stets gelesen, darauff auch frö-
lich gewartet, der seligen abföderung und erlösung aus
allem ubel, wie denn auch D. Martinus Lutherus heili-
ger gedechtnis, auff den beschlus der auslegung dieses
Buchs von der Schöpffung, promission von Christo ,
und leben der Veter und Patriarchen etc. unter andern
worten etwan saget, Finivimus Genesin. Liberet nos
DEUS in bona hora. Dis waren dieses heiligen
Mans GOTTES letzte wort im Collegio zuo Wit-
tenbergDolscius zieht eine direkte Parallele zwischen dem Tod des Joseph Levin Metzsch und dem Tod Martin Luthers: Metzsch las in seinen letzten Tagen Luthers „Enarrationes in Genesin“ (die Auslegung des 1. Buchs Mose), die er sich extra schön hatte binden lassen. Dolscius zitiert Luthers berühmten Abschluss seiner Vorlesung über die Genesis im Jahr 1545: „Finivimus Genesin. Liberet nos DEUS in bona hora“: Wir haben die Genesis beendet. Gott befreie uns in einer guten Stunde. Damit macht er deutlich, dass Joseph Levin buchstäblich mit den Worten Luthers über die Erzväter (Abraham, Isaak, Jakob und Joseph) im Geist starb. Da er sein Leben lang wie der biblische Joseph gehandelt hatte, schließt er nun – wie Luther – die Betrachtung dieses Buches ab und bittet um eine „gute Stunde“ für sein eigenes Ende.

D ij

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tenberg, neben den worten, so in Tomis auffgezeichnet
worden, wie ich die selbs von im zu der zeit gehört habe.


ICh wil aber jtzt vnsers lieben Erb und Lehen-
herrns selbs geschriebne Confession vns zum Trost und
exempel, verlesen von wort zuo wort, und welchē Sprüch
er jm sonderlich aus erlesen und geliebt.Dolscius verliest nun Joseph Levin Metzschs letzte Worte

[D]Ieses Buch, habe ich Ioseph Levin
Metzschs auff Mila wonhafft mir gekaufft, und
dermassen wie zusehen einpinden und zuberei-
ten lassen, das ich in meinem Alter und vor meinem letz-
ten ende, welche beide nu mer Stundlichen und jerlich-
en herzunahen, mich durchs lesen aus demselbigen trö-
sten, ergetzen und erfrewen müge, der ewigen und him-
lischen freude und Seligkeit, welche mir der HERR
Christus durch seine Geburt, leiden, sterben, aufferste-
hung, Himelfart erworben und geben wirt, Nicht mir
aber allein, sondern auch allen, die seine erscheinunge
lieb haben, Da ich aber alters halben, so gar vnuermü-
gent würde, ferner selbsten zulesen, sol mir aus diesem
Buche etwas nach gelegenheit teglichen vorgelesen
werden.Joseph Levin Metzsch kaufte und band seinen „Trostspiegel“, um ihn als Begleiter für seine letzten Stunden bereit zu haben. Er war sich bewusst, dass sein Ende „stündlich und jährlich“ herannahte. Er hebt hervor, dass seine Freude nicht irdischen Gütern galt, sondern der Seligkeit, die Christus durch seinen gesamten Heilsweg (Geburt bis Himmelfahrt) erworben hat. Ein sehr menschlicher Aspekt ist seine Anweisung für den Fall, dass er „alters halben“ nicht mehr selbst lesen kann. Er verfügte, dass man ihm dann täglich aus diesem Buch vorlesen solle. Das Schloss Mylau sollte also bis zuletzt ein Ort des gehörten Gotteswortes sein.

VOlgen etliche schöne Sprüche aus heiliger
Schrifft, belangende das ewige Himlische wesen und
Seligkeit, die ich mit meiner eignen Handschrifft hiemit
geschrieben, auch auff dieselbigen, mit hülff und verlei-
hung des almechtigen Gottes mein Ende zubeschliessen,
Und also aus diesem jammerthal,Metzsch kündigt an, dass er „etliche schöne Sprüche“ ausgewählt hat, auf die er sein Ende „beschließen“ (gründen) will. Der Tod wird hier als Auszug aus dem „Jammertal“ in das „himmlische Wesen“ verstanden. in solche ewige him-
lische