Leichenpredigt des Joseph Levin Metzsch (1507-1571)








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leute im Lande. die Cananiter die klage bey der
Tennen Atad sahen, sprachen sie, Die Egy-
pter halten da grosse klage, welcher ligt jenseid
dem Jordan.In der geistlichen Deutung steht der Jordan oft für die Grenze zwischen dem irdischen Leben und dem ewigen Leben, also zwischen Immanenz und Transzendenz. Die "bittere Klage" am Jordan ist der Abschied der Hinterbliebenen, während die Bestattung in Canaan die Ankunft in der himmlischen Heimat darstellt. Die bekannte Redewendung "über den Jordan gehen" für "sterben" lässt sich hierauf zurückführen.

Und seine Kinder theten, wie er inen be-
fohlen hatte, und füreten in ins Land Canaan,
und begruben in in der zwifachen HöleDie "zweifache Höhle" (Machpela) ist ein zentraler Rechtsbegriff der Bibel. Abraham kaufte dieses Feld als Erbbegräbnis. Für einen Adligen wie Metzsch war das "Erbbegräbnis" (die Familiengruft in Reichenbach) das Symbol für Kontinuität und rechtmäßigen Besitz. Die Nennung dieser Stelle in seiner Trauerfeier legitimiert den Anspruch seiner Familie auf den Grund und Boden in Mylau und im Vogtland. Es verbindet den sächsischen Landadel direkt mit der Tradition der biblischen Erzväter. des
Ackers, die Abraham erkaufft hatte. mit dem
Acker zum Erbbegrebnis, von Ephron dem
Hethiter gegen Mamre. Als sie in nu begra-
ben hatten, zog Joseph wider in Egypten mit
seinen Brüdern, und mit allen die mit im
hinauff gezogen waren seinen Vater
zubegraben.


A iij



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[D]As nu Gestrenge, Edle,Hier beginnt der Teil der konkreten Widmung.
Ehrnveste Junckherrn, Und
Edle, Erbare, Tugentsame
Jungfrawen, auch ihr ewern
lieben Herrn Vatern seligen,
habt ehrlich und herrlich,Das "ehrliche und herrliche" Begräbnis wird nicht als Hochmut ausgelegt, sondern als "kindlicher Gehorsam" und "sehnliche Liebe". Die biblische Vorlage des Joseph dient hier als Schutzschild gegen Vorwürfe, die Bestattung sei zu prunkvoll.nach itztbemelter al-
ter Christlicher gewonheit, den 7. Iulij, in
unser Pfarkirch Reichenbach lassen herauff
füren und begraben, Mit einer grossen ver-
samlung volcks,Ab hier kommt es zur direkten Applikation der biblischen Joseph-Geschichte auf die reale Trauerfeier von Joseph Levin von Metzsch.
nicht allein der unterthanen
Mila, Reichenbach, Lengefelt, und der Dorff-
schafften, die mit trauren und weinen alda ge-
wesen, Sondern auch viel hochberhümbter
Personen vom Adel,Wie beim biblischen Joseph ("ein fast großes Heer") kommen hier alle zusammen: die Untertanen aus Mylau (Mila), Reichenbach, Lengefeld und den umliegenden Dörfern. Die Anwesenheit "hochberühmter Personen vom Adel" spiegelt die "Ältesten Ägyptens" aus dem Bibeltext wider.
der verwanten und ande-
rer, Ist erstlich ein schön gezeugnis der sehnlich-
en Liebe, von Gott in die Natur eingepflantzt,
und eines kindlichen gehorsamshier wird "kindlich" in der Bedeutung von "besonders im höherem Stile" verwendet gegen euren
Lieben Vater, etc.

DArnach auch sind solche Ceremonien
mit dem Begrebnis, unserer verstorbnen Brü-
dern vnd Schwestern in Christo, eine stete er-
innerung des hohen Artickels, der Aufferste-
hung der Todten,Der Text betont den "hohen Artikel der Auferstehung". Im lutherischen Verständnis ist das Begräbnis kein "Wegwerfen" des Körpers, sondern ein "Säen". Dass man den Toten so würdevoll behandelt (wie Joseph seinen Vater salben ließ), zeigt den Glauben daran, dass dieser Körper nur vorübergehend zu Staub wird und wieder auferstehen wird.
das dieselben unsere Cörper,
so jazu staub und aschen müssen wider wer-
den, doch nicht seind, als ewig todte, verwesene