und verlorne, Sondern in ihr RhukemmerleinDas Grab ist kein Ort der Verwesung, sondern ein „Ruhekämmerlein“ oder „Bettlein“. Der Tod wird als vorübergehender Schlaf gesehen, der mit dem „Aufwecken“ (der Auferstehung) endet.
und Bettlein gelegt und verwart werden, als
die da sollen, wenn der Schlaff nu aus sein
wird, und ein end haben, wider auffgeweckt,
lebendig und herrlich herfür komen, von Chri-
sto und der gantzen Englischen versamlung zu
ewiger Freude vnd Glori eingefürt werden.Der Kontrast zwischen dem „Staub“ und der „englischen Versammlung“ (den Engeln) soll den Hinterbliebenen Trost spenden. Die Bestattung in Reichenbach ist nach diesem Verständnis nur das „Zudecken“ bis zum Morgen der Ewigkeit.
ICh hab aber diese Predigt, so ich bey dem
Begrebnis Euers lieben Vaters, meines
grosgünstigen Herrn Gevattern, seligen,
nach verleihung Göttlicher Gnaden gethan,
E. G. und derselben geliebten Schwestern,
hiemit auff das Papir gebracht, durch den
Druck, wollen zustellen, wie dann gleichfals
auch mit Euer lieben Mutter seligen, Leich-
predigt geschehen, und im Druck, Anno
1562 zu WittembergWittenberg war das geistige Zentrum der Reformation. Wer dort drucken ließ, gehörte zum inneren Zirkel der lutherischen Bewegung.ausgangen.
AVff das, Gleich wie ihr beyder Eltern,
lebendiger Bildnis Contrafactur, neben ein-
ander zum gedechtnis, habt lassen in Tafeln
fassen, Also auch durch diese zwo Predigten
iren inwendigen Schmuck und Bildnis aller
Gottesfurcht und Tugent, so viel mit worten
etlicher massen abzumalen müglich, stets und
offt anschawen möchtet, Und euch ein Spie-
gel seinDie Kinder hatten reale Gemälde (Tafeln) ihrer Eltern anfertigen lassen, die sie physisch nebeneinander ansahen. Dolscius sagt, dass die gedruckten Predigten den „inwendigen Schmuck“ (den Charakter und Glauben) der Eltern zeigen. Während das Gemälde das Äußere zeigt, soll das gedruckte Wort die „Gottesfurcht und Tugend“ der Eltern „abmalen“. Die Kinder sollen diese Texte wie einen Spiegel nutzen – sie sollen so leben, wie ihre Eltern es ihnen durch ihren Glauben vorgelebt haben.
gel sein für und für, mit Gottes furcht und Tu-
gent, in Euer lieben Eltern, in Gott seligen
fustapffen, (dazu dann ir auch von inen von ju-
gent auff gewent, und Gott lob, erzogen) zu-
tretten und vortzufaren, In einigkeit und al-
lein fried miteinander zu leben, Welchs dann
ein schön ding für Gott und den Menschen ist,
wie David im 133. Psalm, dasselb mit lieblichen
gleichnissen erklert, wie einen lieblichen geruch
es umb sich herumb gebe, wie der wolriechend
Balsam, Fruchtbarkeit bringe, wie der Hi-
mels thau, Und alda ist, spricht er, Segen und
Leben immer und ewiglich.
DUrch solche Christliche und billiche
Nach volg,Dolscius beendet seine Widmung mit einer eindringlichen Mahnung an die Erben: Die Kinder (die Junker und Jungfrauen von Metzsch) sollen nicht nur trauern, sondern das Vorbild ihrer Eltern als Lebensentwurf übernehmen. Er zitiert Psalm 133 („Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“), um zur Einigkeit unter den Geschwistern aufzurufen. Nach dem Tod eines einflussreichen Vaters wie Joseph Levin von Metzsch stand oft das Erbe auf dem Spiel. Dolscius nutzt die biblischen Bilder vom „Balsam“ und „Tau“, um zu betonen, dass nur durch Frieden der Segen auf dem Haus Mylau bleiben wird. Letztlich betint er die "Heiligen Gefäße". Dies ist ein Bild für die Auserwählung. Wer dem Beispiel der frommen Eltern folgt, wird selbst zu einem Gefäß für Gottes Gnade. werdet Ihr sein und bleiben, gute,
heilige gefes zum ewigen leben, darnach denn
alle Menschen sollen streben und vleis haben,
Gott auch darumb teglich mit ernst bitten,
Befehl E. G. und E. E. in Gottes des Al-
mechtigen Schutz und Regierung, Datum
Reichenbach, am tag Cyriaci, Anno Christi,
1571.
E. G. und
E. E. W.
M. Augustinus Dolscius
Pharherr daselbst.