Leichenpredigt auf Joseph Levin Metzsch (1507-1571)








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sein Ingenium, so hat schauen lassen und herfür ge-
brochen, das er kundig worden ist, vielen hohen, fur-
trefflichen, Hochgelarten Leuten in den Universiteten
Wittenberg und Leiptzig, wie denn auch die Brieff, so
an in von gelarten personen geschrieben, und was er
wiederumb Lateinisch und Deutsch, an solche hinwieder
geschrieben, ausweisen. Er ist bekant gewesen dem
Herrn D. Martino Luthero, D. Philippo Melanthoni.
D. Georgio Spalatino.Diese Aufzählung ist mehr als ein bloßes Name-Dropping. Es dient der Betonung des Netzwerkes, welches Joseph Levin Metzsch umgab. Dazu gehörten wichtige Köpfe der Reformation wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und Georg Spalatin
so bey Hertzog Friedrichen Chur-
fürsten etc. Hochlöblicher gedechtnis, nicht der mienste
Förderer, der wieder auffgerichten Lehr halben, sinte-
mal er zurselben zeit sein Predicant und Diacon, ge-
wesen, Item, er ist kundig gewesen O. Joachimo Ca-
merario der auch sein sonderlicher freund gewesen, etc.
Und sonsten viel andern, in alserley faculteten, deren
noch etliche leben, Welche alle sich seines hohen ver-
stants und erudition verwundert, und in sonderlich ge-
liebt, wo er auch irgent einen gelarten Man, Priester
oder andern gewust, hat er nicht unterlassen mit dem-
selben kundschafft zumachen.


Und in Summa er achtet dis den furnembsten
Schmuck des Adels, Weisheit, verstandt, hoher Kunst,
und bevoraus der Himlischen Weisheit, als Göttlichs
worts, Item, mit furtrefflichen Tugenden andern vor-
gehen, das sey der rechte Adel,Dolscius definiert hier, was für Joseph Levin den „rechten Adel“ ausmachte. Für ihn war Adel nicht nur Herkunft, sondern Weisheit und Kunst, hohe Bildung und Verstand. Die Himmlische Weisheit entspricht der tiefen Kenntnis des Wortes Gottes. Mit diesen „vortrefflichen Tugenden" soll er "anderen vorgehen“ und somit eine Vorbildfunktion einnehmen. Diese Definition ist typisch für den evangelischen Humanismus: Der Adelige rechtfertigt seine soziale Stellung durch seine moralische und intellektuelle Überlegenheit und seinen Dienst an der Kirche. Es ist eine Wende vom Verständnis des Geburtsadels hin zum Verdienst- und Tugendadel.
davon er auch seinen
Anfang habe, wie er denn mit schönen worten Latei-
nisch etwan, an einen guten freund Anno 1532. ge-
schrieben, und pfleget gern von hohen sachen der Reli-
gion, Policey und andern dingen, uber Tisch und son-
sten mit
C ij


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sen mit verstendigen und gelarten, nutzliche gesprech
und Disputation zuhalten, und also mit andern zu con-
ferirn davon, Das war sein höchster lust und freud.


BEvoraus aber weiter, damit er grössere gelegen-
heit hab und förderung, seine studia gantz und richtig
zufüren, so hat er mit grossen unkosten dermassen im ein
eigne Bibliothecam erzeuget, die da wol viel herrlichen
Liebereien, mag gleich gehen.Metzsch ließ einen eigenen Saal in seinem Schloss als Bibliothek herrichten. Dolscius betont die „Reinigkeit und Sauberkeit“ sowie die „lustige“ (im Sinne von: erfreuliche/helle) Gestaltung. Denn diese übernahm niemand Geringeres als Lucas Cranach d. Ä. Cranach malte für die Bibliothek von Metzsch die Porträts (Contrafactum) der Wittenberger Reformatoren Luther, Melanchthon Philippi, Justus Jonas und Spalatin. Zudem fertigte er auch eine Darstellung des Heiligen Landes (Terrae Palaestinae) auf Tafeln an. Dies diente nicht nur der Dekoration, sondern dem Studium der biblischen Geographie. Auch zwei große Universal-Mappen (Weltkarten) schmückten den Raum. Das zeigt das universale Interesse des Schlossherrn: Er wollte von Mylau aus die ganze Welt (totius orbis terrae) im Blick haben.
Und dazu einen sonder-
lichen schönen ort und Saal in seinem Schlos ausser-
lesen, und lustig zubereiten lassen, als er denn von Na-
tur zu sonderlicher reincklikeit und sauberkeit, geneigt
war. Dieselb Biblioteck nicht allein mit sonderlichen
Contrafactum, etlicher fürtrefflicher Personen Lutheri
Philippi, Jonae, Spalatini und anderer, auch Terrae Pa-
laestinae etc. so alles auff Tafeln von dem alten berum-
bten Meister Lucas Cranach, Maler und Burgermei-
ster etwan zu Wittenberg, seligen, der auch sein sonder-
licher Freund war, lieblich und Künstreich gemalt, ge-
schmückt, Sondern auch mit zweyen grossen Universal
Mappen totius orbis terrae, herrlich geziert.


[E]S hat aber weiter dis Edle gefes in die-
sem seinem grossen Studio, wie gemelt, nicht
seinen eignen privat lust, allein gesucht,Dolscius betont erneut, dass Metzsch diese Pracht und Gelehrsamkeit nicht aus purem Egoismus betrieb. Sein Studium war die „Schaltzentrale“ für seine Arbeit zum Wohle der Kirche, des gemeinen Friedens und seiner Untertanen (Wohlfahrt). Er nutzte sein Wissen, um die Reformation voranzutreiben, Rechtsstreitigkeiten zu schlichten und seine Herrschaft klug zu verwalten.
oder im
allein hiemit gedient, Sondern Gott hat in auch ge-
braucht zu wolfart seiner Kirchen, gemeinen fried und
rhu in Weltlicher policey, und seiner unterthanen
mercklichen nutz.
DAvon