bet nicht bey den heilsamen worten unsers Herrn Jhesu
Christi, und bey der lehr von der Gottseligkeit, der ist
verdüstert und weis nichts, sondern ist seuchtig in fra-
gen und wort kriegen, aus welchen entspringet, neid
hader, lesterung, böser argwon, schulgezencke, etc. Da-
ran die es gehört, wolge fallen gehabt.
ICh mus viel der zeit halben abbrechen, Son-
derlich wie nützlich er dem Ministerio VERBI und
dienern desselben gewest, sie gefördert, mit geschencken
verehret, Arme Studenten und Schüler, zvo Stipen-
dien promovirt. Kurtz, sich gefreuet denselben wolzu-
thun.Dolscius präsentiert Joseph Levin Metzsch als Mäzen von Kirche und Bildung: Im Rahmen seines Ministeriums Verbi (Dienst am Wort) unterstützte er die Prediger nicht nur moralisch, sondern auch materiell durch „Geschenke“. Auch stiftete er Stipendien für arme Studenten und Schüler.
[D]Ie unterthanen, das ich derselben auch
gedencke, können rhümen die wolthaten, so sie
mit Schutz, guotten Rethen, fürsichtiger, fried-
reicher. Regierung und milder hand in hungers nöten
von im gehabt, Und zweivel nicht, das ir viel mit mir.
itzt seufftzen uber diesem abschied.Dolscius zeichnet das Bild eines gütigen Grundherrn in Mylau. Das Verhältnis zu seinen Untertanen wird als außergewöhnlich menschlich beschrieben: Während Hungerjahren soll Joseph Levin beispielsweise mit „milder Hand“ regiert haben. Dolscius zitiert dabei den römischen Dichter Terenz mit den Worten: „Pro peccato magno paululum supplicii satis est“ (Für ein großes Vergehen ist eine kleine Strafe genug). Metzsch strafte nicht aus Zorn, sondern zur Disziplin. Er bevorzugte „geringe Geldbußen“ gegenüber harten körperlichen Strafen, was für die Gerichtsbarkeit des 16. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Moderation (Mäßigung) darstellte. Er handelte stets mit Blick auf die „künftigen Eventualitäten“ – war ihn zu einem vorausschauenden Realpolitiker machte.
SEin Regierung hat er also gefürt, das er ist
geliebt worden von den seinen, und wie der Poet sagt,
Pro peccato magno paululum supplicii satis est.
Straff hat er nur den gehorsam und gute disciplin ge-
sucht, und sich offtmals an geringer Geltbus lassen be-
gnügen, und doch schand und laster nicht ungestrafft
gelassen.
Alle seine Rathschleg und Consilia auff ein mo-
deration gestelt, mit sonderlichem bedencken kunfftiger
event und ausgang der Sachen.
UNnötiger
UNnötiger Newrung ist er zum höchsten Feind
gewest, und offt gesagt den gemeinen Spruch, New-
rung bringt bewegung.Der Satz „Neuerung bringt Bewegung“ soll Metzschs Lebensmotto geglichen haben. In der Frühen Neuzeit war „Neuerung“ (Novatio) oft ein negativ besetzter Begriff – er stand für Unruhe, Aufruhr und den Bruch mit bewährten Traditionen. Als Freund Luthers stand Metzsch für eine konservative Reformation. Er wollte die Kirche reinigen, nicht ständig neu erfinden. Er hasste theologische Experimente und politische Instabilität.
ER hat auch in viel Weltlichen sachen grosse
Spaltung und gezenck offtmals helffen beylegen und
dempffen, Ir viel vom Adel, in der Nachtbarschafft
wiessen, was bedechtige Reth und Consilien sie von im
vielmals geholet und entpfangen,Sein Ruf als Schlichter war so groß, dass Adlige aus der gesamten „Nachbarschaft“ (dem Vogtland und darüber hinaus) nach Mylau kamen, um seinen Rat bei „Spaltung und Gezänk“ einzuholen.
IN seiner Herrschafft oder Botmesikeit, hat er
dermassen Kirchen und Schulen bestelt, das er in al-
weg nach gelarten Personen getrachtet, Und uber den
Feyertagen ernstlich gehalten, das dieselben mit arbeit
und andern weltsachen, haben müssen verschont sein,
Die einkomen auch der Kirchen und Schuldiener,
nicht alsein one abbruch, gefodert, Sondern auch was
er selbs dazu jerlich zureichen pflichtig gewest, vleissig,
treulich und richtig lassen geben und zustellen, In
Geistlichen gütern auch das wenigste nicht an sich gezo-
gen, oder jemals dazu begier gehabt.Dolscius zeichnet Joseph Levin Metzsch und seine Herrschaft (Botmäßigkeit) als Idealbild von Ritterschaft und Reformation: Er suchte gezielt nach „gelahrten Personen“ (hochgebildeten Pfarrern und Lehrern) und setzte strikt durch, dass die Sonntage frei von Arbeit und Weltsachen blieben – ein Kernanliegen der lutherischen Sozialdisziplin. Seine finanzielle Integrität ist dabei ein entscheidender Punkt. Viele Adlige nutzten die Reformation, um sich Kirchengüter anzueignen. Metzsch soll das Gegenteil getan haben: Er forderte die Einkommen der Kirche ohne Abbruch, zahlte seine eigenen Beiträge pünktlich und zog „das Wenigste nicht an sich“. Er bereicherte sich also nicht am Glauben.
ES ist abermals nicht zeit zureden von seinem
hohen verstand, Gottsfurcht, gebet und Tugenden,
Was den hohen Artickel der Justification belangt, kan
ich sagen, wil niemand an seinen ehren etwas verkür-
tzen, Ist jemand im Voytland, unter denen vom Adel,
der bemelten Artickel in der Christlichen Lehr rein ver-
stehet, Als ir denn one zweivel viel zubefinden, So ist
er auch einer gewesen.An dieser Stelle wird es hochtheologisch: Die Rechtfertigung allein durch den Glauben (Sola Fide) war das Herzstück der lutherischen Lehre. Dolscius behauptet: Wenn es im gesamten Vogtland einen Adligen gab, der diesen schwierigen theologischen Kernpunkt wirklich „rein verstand“, dann war es Joseph Levin Metzsch. Damit stellt er ihn auf eine Stufe mit professionellen Theologen. Er war kein „Sonntagschrist“, sondern ein intellektueller Mitstreiter der Reformation.
Und dieweil er auch von Gott mit verstand und
geschickligkeit zureden, wol geziert war, ist er nicht allein
mit